Persönlichkeitsstörungen: Muster verstehen und verändern

Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Muster im Denken, Fühlen und Verhalten. Betroffene erleben diese Strukturen oft als starr und unflexibel, was zu erheblichen Schwierigkeiten in Partnerschaft, Beruf und im sozialen Umfeld führt. Häufig begünstigen diese dauerhaften Belastungen die Entstehung weiterer akuter Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. In der CuraMed Akutklinik Albstadt betrachten wir diese Störungen nicht als bloßes "Fehlverhalten", sondern als historisch gewachsene Schutzmechanismen. Unser Ziel ist es, diese gemeinsam mit Ihnen zu verstehen und neue, flexiblere Wege für ein zufriedeneres Leben zu entwickeln.

Kernaussagen zu Persönlichkeitsstörungen
  • Schutzfunktion: Die Verhaltensweisen dienten ursprünglich oft der Bewältigung seelischer Verletzungen.
  • Ursachen: Häufig entstehen die Muster in frühen Lebensphasen durch unerfüllte psychische Grundbedürfnisse.
  • Ganzheitliche Diagnostik: Unterscheidung zwischen Persönlichkeitsstil und Störung sowie Erfassung von Begleiterkrankungen.
  • Therapieziele: Stärkung der Emotionsregulation, des Selbstwerts und der Beziehungsfähigkeit.
  • Formen: Behandlung aller Cluster (z. B. Borderline, Narzissmus, Ängstlich-Vermeidend, Zwanghaft).

    Ursachen: Unerfüllte Grundbedürfnisse und Schutzstrategien

    Um Persönlichkeitsstörungen zu verstehen, blicken wir auf die psychischen Grundbedürfnisse jedes Menschen: der Wunsch nach stabiler Bindung, Wertschätzung, Sicherheit und Orientierung. Werden diese Bedürfnisse in der Kindheit dauerhaft frustriert oder verletzt, entwickelt die Seele "Notfallpläne". Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind daher nicht einfach "schwierig" oder "unangepasst". Vielmehr haben sich Schutzmechanismen gefestigt, die einst dazu dienten, seelische Schmerzen zu kompensieren oder zu bewältigen. Das Problem: Diese alten Strategien passen oft nicht mehr in das heutige Erwachsenenleben und erschweren den Alltag zunehmend.

    Unser psychosomatisch-psychotherapeutischer Behandlungsansatz

    Wir betrachten den Menschen als Ganzes und gehen davon aus, dass Veränderung immer möglich ist.

    1. Diagnostik & Verstehen

    Zunächst klären wir die Diagnose und grenzen sie von anderen Erkrankungen ab. Zentral ist die Entwicklung eines individuellen Störungsmodells: Wir erarbeiten gemeinsam, warum Sie so reagieren, wie Sie reagieren. So werden Sie zum "Experten in eigener Sache".

      2. Veränderung & Training

      Wir identifizieren ungünstige Denk- und Verhaltensmuster und modifizieren diese Schritt für Schritt. Unsere Therapieansätze zielen auf eine verbesserte Emotionsregulation (z. B. Elemente der DBT), stabilere Beziehungen und einen gesünderen Selbstwert ab.

        Die verschiedenen Formen von Persönlichkeitsstörungen

        Die Übergänge zwischen einem gesunden Persönlichkeitsstil und einer Störung sind fließend. Wir unterscheiden verschiedene Formen, die sich durch spezifische Merkmale im Denken und Fühlen auszeichnen:

        Paranoide Persönlichkeitsstörung

        Das Kernmerkmal ist tiefes Misstrauen. Betroffene haben oft gelernt, dass andere "böse Absichten" haben und sie selbst verletzbar sind. Als Bewältigungsstrategie reagieren sie mit extremer Vorsicht, beobachten ihre Umwelt auf Bedrohungen und interpretieren neutrale Handlungen als Angriffe.

        Schizoide Persönlichkeitsstörung

        Hier steht der emotionale Rückzug im Vordergrund. Wir sehen eine Nähe zum Autismus (nicht zur Schizophrenie). Betroffene zeigen wenig Interesse an Beziehungen, wirken gefühlsarm und finden Sicherheit eher im Alleinsein. Kontakt zu anderen wird oft als Bedrohung der eigenen Autonomie empfunden.

        Dissoziale Persönlichkeitsstörung

        Kennzeichnend sind fehlende Empathie, Missachtung sozialer Normen und aggressives Verhalten. Dahinter verbirgt sich oft die tiefe Angst vor Schwäche und Abhängigkeit, entstanden durch frühe Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung. Regelverstöße dienen als Versuch, Macht und Kontrolle zurückzuerlangen.

        Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline & Impulsiver Typ)

        Betroffene leiden oft unter den Folgen früher Traumatisierungen und unsicherer Bindung.

        • Impulsiver Typ: Geprägt von mangelnder Impulskontrolle und emotionaler Instabilität.
        • Borderline-Typ: Zusätzlich bestehen Störungen im Selbstbild, chronische innere Leere, selbstverletzendes Verhalten und intensive, instabile Beziehungen. Die Angst vor dem Verlassenwerden führt zu einem ständigen Wechsel zwischen Idealisierung (Nähe suchen) und Abwertung (Schutz vor Verletzung).

        Histrionische Persönlichkeitsstörung

        Abgeleitet vom Begriff "Schauspieler", suchen Betroffene theatralisch und dramatisch nach Aufmerksamkeit. Dahinter steht die Angst, unbeachtet und "leer" zu sein. Gelernt wurde oft: Nur durch Vorführungen oder "Niedlichkeit" erhalte ich Zuwendung.

        Zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung

        Perfektionismus, Detailverliebtheit und starre Regeln dominieren. Diese Muster dienen dazu, innere Unsicherheiten und ein geringes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Es wird viel Energie aufgewandt, um "perfekt" zu sein und keine Angriffsfläche zu bieten – oft auf Kosten von Flexibilität und Beziehungen.

        Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

        Geprägt von der tiefen Angst vor Ablehnung und Kritik. Betroffene fühlen sich oft minderwertig. Um Verletzungen zu vermeiden, ziehen sie sich sozial zurück oder gehen nur Beziehungen ein, wenn sie sich der Zuneigung absolut sicher sind.

        Abhängige (dependente) Persönlichkeitsstörung

        Betroffene erleben sich als hilflos und unselbstständig. Sie benötigen ständig Rat und Rückversicherung. Oft wurde in der Biografie (z. B. durch Überfürsorge) das Bedürfnis nach Autonomie nicht gefördert, sodass das Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit fehlt.

        Narzisstische Persönlichkeitsstörung

        Grundlage ist oft ein sehr fragiler Selbstwert, der durch ein "außergewöhnliches" Selbstbild kompensiert wird. Da Fehlermachen in der Kindheit oft inakzeptabel war, fehlt es an Frustrationstoleranz. Betroffene wirken fordernd und wenig empathisch; die Anerkennung von außen ist jedoch überlebenswichtig für ihr Selbstbild.

        Kombinierte Persönlichkeitsstörung

        Dies ist eine sehr häufige Form. Hierbei treten Merkmale verschiedener oben genannter Störungen gemischt auf. Es werden verschiedene Kompensationsmechanismen kombiniert, um den Selbstwert und das Bindungserleben vermeintlich zu schützen.

        Häufige Fragen zu Persönlichkeitsstörungen

        Medizinisch geprüft von: Dr. med. Dipl.- Psych. Thomas Frittrang (Chefarzt / Leitender Psychologischer Psychotherapeut) und Dr. med. Björn Kruse (Stv. Chefarzt / Leitender Oberarzt)
        Datum der letzten Prüfung: 08. Januar 2026

        Natur & Umgebung Albstadt
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